SASLAB · Forschung

Unsere Forschung

Wir untersuchen biologische Unterschiede und klinische Verläufe mit komplementären Methoden. Öffnen Sie die Themen für weitere Informationen.

Immunpsychiatrie und StoffwechselWie hängen periphere Immunprozesse, Stoffwechsel und Gehirnfunktion zusammen?

Wir untersuchen die angeborene Immunantwort bei Schizophrenie und depressiven Erkrankungen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Neutrophile und Monozyten, ihre Funktion und ihr Energiestoffwechsel. Klinische Verlaufsdaten helfen, die Bedeutung dieser Befunde einzuordnen.

Ein weiterer Schwerpunkt sind mögliche Zusammenhänge mit der Darmbarriere, der Blut-Hirn-Schranke und der Blut-Liquor-Schranke. Diese unterschiedlichen Grenzflächen werden mit jeweils geeigneten Labor- und Bildgebungsverfahren untersucht. Körperliche Begleiterkrankungen, Medikamente, Rauchen und metabolische Faktoren werden bei der Interpretation berücksichtigt.

Unsere aktuelle Arbeit zur Bioenergetik peripherer Immunzellen zeigt bei akut erkrankten, noch nicht mit Antipsychotika behandelten Menschen mit Schizophrenie eine erhöhte glykolytische ATP-Produktion in mononukleären Blutzellen (PBMC). Bei stabil behandelten Teilnehmenden war sie geringer. Die Untersuchung macht Veränderungen der zellulären Energiegewinnung sichtbar; Krankheitsphase und Behandlungseinflüsse lassen sich in diesem Gruppenvergleich jedoch nicht voneinander trennen.

Zum DZPG-Projekt

Autoimmune Psychosen und LiquordiagnostikWann weisen psychotische Symptome auf eine immunvermittelte Erkrankung hin?

Psychotische Symptome können auch im Rahmen einer Autoimmunenzephalitis auftreten. Unsere Forschung beschäftigt sich mit neuronalen Antikörpern und ihrer Bedeutung für die differenzialdiagnostische Abklärung psychotischer Erkrankungen. Entscheidend ist die gemeinsame Bewertung von klinischem Verlauf, neurologischen Auffälligkeiten und Befunden aus Liquor, Blut, EEG und Bildgebung. Ein positiver Antikörperbefund im Blut allein belegt keine autoimmune Ursache.

Zu unseren Beiträgen gehören die Arbeit zu NMDA-Rezeptor-Antikörpern in JAMA Psychiatry (2013) und die Mitwirkung am internationalen Konsensus zu autoimmunen Psychosen in The Lancet Psychiatry (2020). Diese Arbeiten verbinden die Untersuchung biologischer Befunde mit ihrer klinischen Einordnung.

Ein aktueller Schwerpunkt ist die Liquordiagnostik in der Psychiatrie. Johann Steiner wirkt an einer eingeladenen zweiteiligen Arbeit mit: zu den biologischen Grundlagen und diagnostischen Verfahren sowie zu internationalen konsensusbasierten Empfehlungen für die klinische Praxis. Dazu gehören Fragen der begründeten Indikationsstellung und der klinischen Einordnung von Liquorbefunden. Auch Perspektiven von Betroffenen und Angehörigen fließen in diese Arbeit ein. Die Manuskripte befinden sich in Vorbereitung beziehungsweise Begutachtung und sind noch nicht veröffentlicht.

Biomarker und klinische VerläufeWelche Messwerte beschreiben biologische Unterschiede und möglichen Vorhersagenutzen?

In Blut und Liquor untersuchen wir Kandidatenmarker für neuroaxonale, gliale, immunologische und metabolische Prozesse. Dazu gehören Neurofilament Light Chain (NfL), IGFBP2 und astrozytenassoziierte Proteine. Ausgangswerte und Veränderungen im Verlauf werden mit klinischen Merkmalen in Beziehung gesetzt.

In den laufenden NfL/IGFBP2-Arbeiten prüfen wir, ob die gemeinsame Betrachtung dieser Marker Informationen über klinische Verläufe ergänzt. IGFBP2 wird dabei als biologisch interessanter Kandidat untersucht; ein Blutwert belegt für sich genommen weder eine Schutzwirkung noch Regeneration.

Wir prüfen, ob die Marker über klinische Angaben hinaus zusätzliche Informationen liefern. Dazu vergleichen wir geeignete Modelle und Referenzgruppen; ein Vorhersagenutzen muss sich auch in unabhängigen Daten bestätigen. Unsere Übersichtsarbeit zu validierten biologischen Subgruppen beschreibt diesen Ansatz.

Weitere Arbeiten untersuchen oxidative und metabolische Veränderungen sowie Alkoholmarker wie Phosphatidylethanol (PEth) und Ethylglucuronid (EtG) im klinischen Verlauf.

Gliaforschung und digitale NeuropathologieWas zeigen Zellverteilung, Markerexpression und Morphologie im menschlichen Hirngewebe?

Die Magdeburger Hirnsammlung ermöglicht Untersuchungen an postmortalem Gewebe von Menschen mit Schizophrenie und affektiven Erkrankungen sowie an Vergleichsgewebe. Wir kombinieren immunhistochemische Verfahren mit quantitativer digitaler Bildanalyse.

Aktuelle Arbeiten betrachten unter anderem TMEM119- und HLA-DR-positive Mikroglia, regionale und hemisphärische Unterschiede sowie Zellmorphologie. Die Marker erfassen unterschiedliche Aspekte der Zellbiologie. Sie werden deshalb gemeinsam mit Geweberegion, klinischer Vorgeschichte und weiteren Befunden interpretiert.

Die systematische Übersichtsarbeit zu Mikroglia und Kynureninstoffwechsel ordnet unterschiedliche Untersuchungsmethoden über das affektive und psychotische Erkrankungsspektrum hinweg ein. Weitere Kooperationen betreffen perivaskuläre Makrophagen sowie neurotrophe Signalwege und Epigenetik in postmortalem Gewebe.

Extrazelluläre Matrix und molekulare SchnittstellenWie lassen sich Befunde aus Blut, Liquor und Hirngewebe sinnvoll zusammenführen?

Brevican ist ein Bestandteil der extrazellulären Matrix des Nervensystems. In einem laufenden Kooperationsprojekt untersuchen wir Brevican-Messungen im Serum und in Liquor-Serum-Paaren bei Schizophrenie.

Dabei ist relevant, welche molekularen Formen ein verwendetes Messverfahren tatsächlich erfasst. Blutkonzentrationen lassen sich nicht unmittelbar mit Vorgängen im Gehirn gleichsetzen. Deshalb beziehen die Analysen unter anderem Barriereparameter, Rauchen und Medikation ein.

Systematische Reviews und MetaanalysenWie belastbar und übertragbar sind Befunde über einzelne Studien hinaus?

Eigene Kohortenstudien werden durch systematische Evidenzsynthesen ergänzt. Ein Beispiel ist die Metaanalyse zu Leukozytensubpopulationen bei Schizophrenie in JAMA Psychiatry.

Laufende Projekte vergleichen periphere Immunzellbefunde bei unipolarer Depression und Schizophrenie und untersuchen entsprechende Fragen bei bipolarer Störung. Im Fokus stehen absolute Zellzahlen, Krankheitsphasen, Behandlungseinflüsse und Unterschiede zwischen Studien. Bei bipolarer Störung verdient insbesondere die Lithiumexposition eine sorgfältige Berücksichtigung.

Aus Gruppenunterschieden entsteht noch kein diagnostischer Test. Transparente Auswahl- und Analyseverfahren sowie die Prüfung von Heterogenität und möglichen Verzerrungen sind deshalb Teil der wissenschaftlichen Arbeit.

Früherkennung und digitale PsychiatrieWie können klinische und multimodale Daten frühe Veränderungen erfassen?

Die Früherkennung und Frühbehandlung psychotischer Erkrankungen verbindet Forschung mit klinischer Versorgung. Johann Steiner hat diesen Schwerpunkt in Magdeburg aufgebaut. Das Früherkennungs- und Therapiezentrum für Psychosen (FeTZ) bietet spezialisierte Abklärung, Beratung und Unterstützung für Jugendliche und junge Erwachsene sowie Informationen für Angehörige.

Im Rahmen von CARE war Magdeburg an der Untersuchung einer computergestützten Risikoabschätzung und risikoadaptierten Behandlung beteiligt. Die Beteiligung als Studienzentrum ist abgeschlossen; das FeTZ bleibt eine klinische Anlaufstelle.

Bei wiederkehrender Depression untersucht ORAKEL, ob Merkmale aus wiederholten Audio- und Videoaufnahmen zusätzliche Hinweise auf drohende Rückfälle geben können. Die Verfahren befinden sich in der wissenschaftlichen Prüfung und ersetzen keine ärztliche Beurteilung.

Informationen zur ORAKEL-Studie · FeTZ und CARE